Eröffnungsrepertoire aufbauen
Ein Großteil der Veröffentlichungen im Schach bezieht sich auf die
Eröffnung. Dafür gibt es einen guten Grund: das eigene Eröffnungsrepertoire
muß von jedem aktiven Schachspieler konsequent gepflegt werden. Es sind
unzählige Bücher und elektronische Medien erhältlich, die sich
ausschließlich mit Schacheröffnungen befassen. Der Grund dafür
ist einleuchtend: kein aktiver Turnierspieler kann ohne gute Eröffnungskenntnisse
auskommen. Vergleicht man den Umfang der Publikationen zum Thema Eröffnungstheorie
mit den Werken, die sich mit Fragen des Mittel- oder Endspiels befassen, wird
klar, welche Bedeutung die Eröffnungsphase für den Schachspieler hat.
Jeder halbwegs erfahrene Schachspieler verfügt über ein mehr oder
weniger umfangreiches Wissen über Eröffnungen, das er aus Eröffnungsbüchern,
eigenen Partien, Schachdatenbanken oder auch aus den Erkenntnissen eigener Analysen
(völlig legal mit Hilfe von Schachprogrammen!) gewonnen hat.
Aufgrund des gigantischen Umfangs der Eröffnungstheorie ist es natürlich
unmöglich, die gesamte Eröffnungstheorie zu kennen. Jeder Schachspieler
spezialisiert sich deshalb auf bestimmte Eröffnungen, die er aktiv spielt.
Die Auswahl der Eröffnungen, die ein Schachspieler anwendet, ist ein wesentliches
Merkmal zur Charakterisierung seiner Spielweise. Denn mit unterschiedlichen
Eröffnungen werden in der Regel verschiedene Stellungstypen herbeigeführt,
welche die individuellen Fähigkeiten eines Schachspielers auf verschiedene
Weise fordern. Die große Kunst der Eröffnungsvorbereitung besteht
vor allem darin, Systeme auszuwählen, die die eigenen Stärken betonen
und optimal zum eigenen Spielstil passen. Da Schachpartien mit Wettkampfcharakter
unter begrenzter Bedenkzeit durchgeführt werden, besteht nur eingeschränkt
die Möglichkeit, alle Konsequenzen möglicher Fortsetzungen präzise
zu überprüfen. Diese Einschränkung besteht bei der Analyse von
Eröffnungen natürlich nicht. Eine gute Kenntnis der Eröffnungstheorie
ist also eine unverzichtbare Voraussetzung für die Erlangung eines gewissen
Spielniveaus. Die nachstehende Ausführungen sollen dabei helfen, sich mit
dem Konzept einer Repertoiredatenbank unter ChessBase vertraut
zu machen.
ChessBase bietet zahlreiche Funktionen, die gezielt das Erlernen und Studium
von Eröffnungen unterstützen. Eine besonders nützliche Hilfe
ist die Repertoiredatenbank, die vor allem eigene Partien, Varianten
und Analysen zum persönlichen Eröffnungsrepertore enthalten
soll. Das Programm unterstützt mit zahlreichen nützlichen Funktionen
den Aufbau einer eigenen Repertoredatenbank. Der Aufbau und die Strukturierung
ist für den Anwender mit einigem Aufwand verbunden, der sich aber langfristig
auf jeden Fall bezahlt macht.
Wie erzeugt man eine Repertoiredatenbank ? Legen Sie im Datenbankfenster eine
neue Datenbank an, Rechtsklick auf das Datenbanksymbol startet ein kleines Kontextmenü.
Setzen Sie jetzt den Schalter " Referenzdatenbank", damit das
Programm "weiss", in welcher Datenbank Sie ihr Eröffnungsrepertoire
verwalten.
Bevor Sie die Repertoiredatenbank aufbauen, sollten Sie sich einige Gedanken
über den konzeptionellen Aufbau machen und genau überlegen, welche
Varianten und Systeme Sie in die Repertoiredatenbank übernehmen möchten.
Das ist mit viel Arbeit verbunden, wird sich aber langfristig bezahlt machen,
da Sie ihr eigenes Repertoire viel übersichtlicher strukturieren. Betrachten
wir die Vorgehensweise einmal an einem praktischen Beispiel. Ich selbst spiele
als Nachziehender gegen 1.e4 gerne Französisch und die Aljechin-Verteidigung,
gegen 1.d4 nach Möglichkeit Nimzoindisch. Besonders kritisch empfinde ich
als Nachziehender die Abspiele der Vorstossvariante nach 1.e4 e6 2.d4 d5 3.e5
c5 4.c3 Sc6 5.Sf3 Db6.Wie kann man jetzt die unterschiedlichen Varianten und
Systeme in der Repertoriedatenbank erfassen und verwalten? Ich selbst habe jedes
Abspiel innerhalb der Datenbank als separate Partie gespeichert.
In der Partienliste sieht das wie folgt aus:

Wie bekommt man diesen Aufbau, bzw. die Ansicht in der Liste hin ? Zuerst gibt
man im Brettfenster die entsprechende Variante bis zum Schlüsselzug ein
und startet dann mit Strg-S den Dialog zum Speichern einer Partie.

In das Eingabefeld für Weiß wird der Name der Eröffnung
eingetragen, im Eingabefeld für Schwarz die charakteristischen Schlüsselzüge,
die beim Scrollen in der Liste die Übersicht erleichtern. Wenn Sie figurine
Symbole übernehmen, sieht die Liste noch eleganter und ansprechender aus.
Wichtig und nützlich ist der Eintrag im Eingabefeld " Turnier".
Hier habe ich mit Text gekennzeichnet, ob die eingegebene Variante für
mich als Anziehender oder Nachziehender im Repertoire relevant ist.
Repertoiredatenbank erweitern
Nachdem die konzeptionellen Vorbereitungen für den Aufbau der Repertoiredatenbank
erledigt sind, gibt es diverse Möglichkeiten, die Datenbank aufzubauen
und zu erweitern. Interessant für die Sichtung sind die zahlreichen neuen
Partien im Internet, die Sie aus ChessBase heraus mit der Funktion "Neue
Partien holen "(Hilfemenü) downloaden können. Wer seine Repertoiredatenbank
regelmässig pflegt und wartet, wird jetzt die neuen Partien nach Vergleichspartien
für das eigene Eröffnungsrepertoire durchforsten. Das ist mit ChessBase
einfach möglich. Markieren Sie die zu durchsuchende Datenbank, starten
die Suchmaske und aktivieren im Dialog "Partiedaten" einfach
den Schalter "Im Repertoire".

Das Programm liefert im Suchergebnisfenster alle Partien auf, die eine Stellung
enthalten, die in der Repertoiredatenbank enthalten ist. Die kann man bequem
sichten und prüfen, ob die Partienotation in die Repertoiredatenbank übernommen
werden soll.
Ist dies der Fall, kommt man mit einem Rechtsklick auf das Schachbrett - "In
Repertoiredatenbank einbauen" schnell weiter.

Mit dieser Vorgehensweise kann man sich relativ schnell zum Repertoire passende
passende Eröffnungsübersichten erstellen.

Ungemein praktisch beim Sichten von neuen Datenbanken ist der Repertoirebericht
( Datei - Neu - Repertoirebericht). Das Programm prüft die neue
Datenbank und generiert einen Datenbanktext mit integrierten Links zu Partien,
die zu dem eigenen Eröffnungsrepertoire passen.

Diese kann man jetzt ebenfalls manuell sichten und bei Bedarf in die Repertoiredatenbank
übernehmen.
Neben der automatisierten Erweiterung der Repertoiredatenbank kann man die
Partien jederzeit durch eigene Analysen ergänzen und ersetzen. Wenn man
selbst neue Partien in die Repertoiredatenbank einfügt, gibt es einige
Möglichkeiten, mit denen man bestimmen kann, ab welchem Zug die Partie
für das Repertoire relevant ist. Wenn man z.B. den Kommentar "Kritsche
Eröffnungstellung" (Menü Partie -> Kommentar ->
Spezialkommentar -> Kritische Eröffnungsstellung) einfügt,
wird diese Kennzeichnung vom Programm für die Auswertung des Repertoires
berücksichtigt.

Generell sollten Sie sich daher angewöhnen, ihre Repertoireeinträge
mit dem Kommentar "Kritische Eröffnungsstellung" zu kommentieren.
Wenn Sie Partien aus neuen Datenbanken nachspielen, die Sie gerne zu Ihrem
Repertoire hinzufügen möchten, können Sie per Rechtsklick auf
Schachbrett - "Finde Stellung in Repertoire ...." prüfen,
ob sich die Brettstellung bereits in der Repertoiredatenbank befindet. Falls
ja, öffnet sich das Suchergebnisfenster und zeigt alle Partien der Repertoiredatenbank,
in denen die aktuelle Brettstellung enthalten ist. Falls die Zugfolge noch nicht
enthalten sein sollte und Sie diese in das Repertoire einfügen wollen,
startet das Programm den Dialog zum Speichern und übernimmt auf Basis der
Klassifizierung schon einmal die Eröffnungsbezeichnung, die Sie für
die Anzeige innerhalb der Liste ggf.anpassen und modifizieren können.
Prinzipielle Überlegungen
Bevor man eine Variante in das Repertoire übernimmt, sollte man die Notation
gründlich auf die schachliche Qualität prüfen. Es bietet sich
beispielsweise an, vor allem Partien von sehr starken Spielern mit einer hohen
Wertungszahl als Grundlage für die Repertoiredatenbank in Betracht zu ziehen.
Ein weiteres sehr wichtiges Kriterium ist die Aktualität der Daten. Bei
dem Partienmaterial sollte man vor allem in scharfen, forcierten Systemen auf
die Aktualität der Daten achten. Eine hervorragende Unterstützung
beim Durchgehen, Prüfen und Analysieren der einzelnen Varianten bieten
die diversen Schachengines, die man im Hintergrund mitrechnen lassen kann. Der
konsequente Einsatz einer starken Schachengine bietet die Garantie, dass im
Repertoire keine groben taktischen Schnitzer enthalten sind. Schaltet man in
einem zusätzlichen Fenster noch ein gut strukturiertes Eröffnungsbuch
mit den eingebetteten Statistiken hinzu, bekommt man Information pur, während
man das Repertoire bearbeitet oder studiert.
ChessBase 9 ermöglicht nicht nur die Kommentierung mit Varianten und Text.
Nutzen Sie die erweiterten Kommentierungsoptionen, z.B. farbige Pfeile und Felder,
um eigene Ideen noch transparenter zu illustrieren.
Um die dichten Partienotationen des Repertoires übersichtlicher zu gestalten,
sollte man die Repertoireübersichten beschneiden. Ab welchem Punkt man
die Notation beschneiden sollte, muss vom Anwender selbst entschieden werden.
Besonders gut geeignet für die Bearbeitung des Repertoires ist die Tabellenotation,
die man mit einem Klick auf den Schalter Tabelle über der Notation einstellen
kann.

Wenn man in der Tabelle einen Zug anklickt, wird im unteren Fensterbereich
der Rest der Partie mit den passenden Varianten ausgeführt. Sie müssen
selbst entscheiden, ab welchem Punkt die Notation jetzt beschnitten werden soll.
Eine gepflegte Repertoiredatenbank bietet dem Anwender jederzeit einen guten
Überblick über sein persönliches Eröffnungsrepertoire. Bekommt
man neue Partiendatenbanken, sollte man diese umgehend auf zum Repertoire passenden
neue Partien und Neuerungen überprüfen und ggf. in die Repertoiredatenbank
integrieren.
Eine nützliche Anwendung in Kombination mit der Repertoiredatenbank ist
das Einfügen von Trainingsfragen an kritischen Abschnitten einer Eröffnungsvariante.
Legen Sie dazu eine separate Trainingsdatenbank für das Eröffnungstraining
an und speichern Sie dort die Eröffnungsvarianten mit den eingebetteten
Trainingsfragen ab. Wenn Sie regelmässig diese Datenbank durcharbeiten,
ist dies eine sinnvolle Unterstützung für das häusliche Eröffnungstraining.
Bei der Arbeit mit der Repertoiredatenbank ist die Trainingsansicht
ebenfalls sehr nützlich. Im Brettfenster findet man den Reiter Training
oberhalb der Notation. Damit blendet man die Anzeige aller Züge und Varianten
einer Partie aus, es wird lediglich der zuletzt gespielte Zug angezeigt. Man
kann in diesem Modus versuchen, den in der Partie gespielten Zug selbständig
zu finden. Damit wird der Anwender gezwungen, sich intensiver mit den Inhalten
auseinanderzusetzen. Der Lerneffekt beim Variantenstudium ist mit diesem Verfahren
deutlich besser.
Die Repertoiredatenbank leistet nicht nur exzellente Dienste als Arbeitsgrundlage
am Computer. Extrem nützlich ist die Option, sich ausgewählte Repertoireübersichten
auf Papier auszudrucken.

Der Repertoireausdruck stellt die Eröffnungsvarianten in Form von Tabellen
dar, was wesentlich übersichtlicher als der Ausdruck dicht kommentierter
Notationen ist. Damit bekommt man eine gute Trainingsgrundlage für das
Eröffnungstraining, wenn gerade kein Computer zur Verfügung steht.