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Eine Semmel für den Bello

Chrilly Donninger
Eine Semmel für den
Bello
Wenn ich am
Abend zum Lichtenwallner gehe, nehme ich immer meinen Hund Bello mit. Der
Gasthaus Besuch ist ein Ritual und wie jedes Ritual läuft es nach fixen Regeln
ab. Ich bestelle für mich einen weissen Spritzer, für den Bello eine Semmel.
Genaugenommen bestell ich natürlich nichts, die Zeremonienmeisterin vulgo
Lichtenwallner-Wirtin begrüßt uns, stellt den Spritzer hin und serviert
anschließend die Semmel auf einem kleinen Teller. Nachdem der Bello ein
gescheiter - und wie der Name schon sagt - schöner Hund ist, besorgt er sich die
Wurst zur Semmel selber. Er schaut die Frau Lichtenwallner mit treuherzigem
Blick solange an, bis ihr Herz dahinschmilzt und sie ihm eine Wurst gibt.
Trotzdem hat der Bello in den letzten Wochen ein paar Mal gemault. Herrl, ich
bekomme immer nur eine Semmel, während dir regelmässig ein zweiter oder gar
dritter G´spritzter gebracht wird. Ich klär ihn dann auf: Bello das sind
Sommerspritzer, die kann man mit normalen Spritzern nicht vergleichen. Aber so
richtig überzeugt ihn das nicht. Bestellst mir halt auch zwei Sommersemmeln.
Damit er
sein Gejammere endlich aufhört, habe ich ihn vor dem Lippstädter GM Turnier
versprochen: Bello, wenn Brutus dort gewinnt, stellen wir die Siegesprämie beim
Lichtenwallner auf den Kopf und du darfst dir soviele Semmeln bestellen wie du
fressen kannst. Der Bello war schon vorher an Schach interessiert. Mit
Kennerblick hat er bereits im zarten Welpenalter im Wiener Schachverlag den
teuersten Figurensatz erspät. Wie von ihm richtig vorhergesagt hielt der Kopf
des schwarzen Springers seiner Materialprobe nicht stand. Das Versprechen machte
ihn zum Schachfanatiker. Hechelnd stand er vor dem Bildschirm und verfolgte die
Lippstädter Brutus Partien. Wau, das macht Spass, den Grossmeister haben wir
aber heute wieder über das Brett gejagt. Der Brutus hat sich das von mir
abgeschaut. Ich hetze die Waldviertler-Hochland Katzen genauso durch die Gegend.
Bello, spiel hier ja nicht den Helden, vor der Petzi ziehst du ganz schön den
Schwanz ein. Das macht der Brutus nicht. Aber auch dieser Rüffel brachte ihn
nicht aus der Fassung: Der Max hat mich vor dieser alten Bissgurn gewarnt. Er
hat ihr einmal einen ziemlich leichten Stesser gegeben und schon hat sie sein
linkes Auge heftig malträtiert. Ich habe der Petzi ein Remis angeboten. Sie
kommt nicht in unseren Garten und dafür lass ich sie sonst ihn Ruhe.
Nur bei der
letzten Partie gegen GM Maiwald wurde der Bello unruhig. Warum quälen wir den
armen GM so lange? Wenn ich das mit den Katzen mache, pfeifst du mich immer
zurück. Ich möchte endlich meine Siegessemmeln beim Lichtenwallner fressen. Ich
halte seit gestern Diät, damit ich möglichst viele hinunterbringe.
Bello, ich
muss dir was gestehen: Mit der grossen Siegesfeier beim Lichtenwallner wird es
nichts. Wir haben zwar haushoch gewonnen, aber für den Sieg gibt es keinen Cent.
Den Kuchen teilen sich die Grossmeister untereinander auf. Die Enttäuschung
stand ihn ins Gesicht geschrieben. Bello, du hast doch selbst gesagt: Das macht
Spass. Du scheuchst doch auch Katzen einfach so durch die Gegend. Aber nur wenn
ich satt bin, war seine Antwort. Wenn ich Hunger habe, dann vertreibe ich sie
von den Futterschüsseln und fresse ihnen das Kitekat weg. Und ich habe jetzt
Hunger auf Lichtenwallner-Semmeln.
Bello, es
ist noch schlimmer, wir haben sogar dafür bezahlt. Herrl, das versteht ich nun
nicht mehr. Ich lege mein Frolic ja auch nicht in die Futternapfe der Katzen.
Damit der Bello nicht den letzten Respekt in sein Leittier verlor, machte ich
ihm einen Vorschlag: Bello, ich schreib einen launigen Artikel über uns zwei und
vom Honorar gehen wir dann zum Lichtenwallner. Das hat ihn sichtlich beruhigt,
ich hämmerte in die Tasten und er wachte vor der Tür, damit ich nicht gestört
werde.
Am nächsten
Tag fragte er mich: Herrl, wie ist der Artikel angekommen? Die Leser waren
begeistert, du bist dadurch ein berühmter Hund geworden. Ganz Deutschland weiss
nun, wie gescheit und schön du bist. Fein, dann können wir ja zum Lichtenwallner
gehen. Bello, du hörst mir manchmal nicht gut zu. Ich habe gesagt, du bist ein
berühmter Hund geworden, von einem Honorar hab ich nichts gesagt. Da hat der
Bello ziemlich die Contenance verloren. Was hab ich von der fernen Berühmheit?
Die Piefkies wissen ja nicht einmal, was eine Semmel ist.
Wo der
Bello recht hat, hat er recht und so hab ich diesmal den trauigen Hundeblick
aufgesetzt. Das hat wieder der Bello nicht ausgehalten. Herrl ich habe eine
Idee: Ich bin schön und berühmt, jetzt werden wir auch noch reich. Ich beglücke
die Hündinnen von ein paar Gestopften. Mit der Deckungsprämie hauen wir beim
Lichtenwallner ordentlich auf den Putz. Bello, werd nicht größenwahnsining. Du
bist eine Promenandenmischung und kein Rassehund. Nur für einen Rassehund wie
dem Lichtenwallner-Cäsar bekommt man eine Deckungsprämie. Den letzten Satz hätte
ich nicht sagen sollen: Was, für dieses hinkende Krüppel bekommt man eine
Prämie? Der Cäsar kann doch nicht einmal auf einen Dackel aufspringen. Bello sei
nicht ungut zu deinem alten Freund, der Cäsar ist ein reinrassiger
Golden-Retriever. Die stehen momentan hoch im Kurs. Bei einem Golden-Retriever
gehört die Hüftgelenksdysplasie zum Rassestandard. Ich kann einmal anfragen, ob
dich der Österreichische Kynologenverband als Ahnvater des
Waldviertler-Hochlandhundes anerkennt. Bis die eine neue Rasse beurkunden,
können aber Jahre vergehen. Solange wollte der Bello auf seine Semmel nun auch
nicht warten. Wir waren für einige Zeit schweigend ins Gespräch vertieft. Herrl,
wenn ich rassisch minderwertig bin, warum gibt mir dann die Wirtin immer die
Wurst und drückt mich enger an ihren Busen als den Cäsar? Bello du alter Gauner,
du weisst das ganz genau. Weil du ihr Herz gewonnen hast und einer Liebenden ist
die Rasse egal. Wau, ich habs. Wenn wir das nächste Mal zum Lichtenwallner
gehen, bin ich besonders lieb, dann bekomm ich zur Wurst auch die Semmel dazu.
Aber eines sag ich dir schon: Deine Spritzer reiss ich ihr nicht heraus. Für die
musst du schon selber Sorgen. Wenn die bei deiner semmellosen Kunst nicht
drinnen sind, musst du dir halt eine ordentliche Arbeit suchen. Wenn du willst,
begleit dich beim Vorstellungsgespräch. Da schau ich der Chefsekräterin tief in
die Augen. Da hast du den Job schon in der Tasche, den das Regiment führt in
jeder Firma die in diesem wunderschönen Hund verknallte Chefsekretärin.
In mir
keimte ein leiser Verdacht auf. Vielleicht wäre es besser für uns beide, wenn
der Bello die Rolle des Leittieres übernehmen würde. Aber dann dachte ich an die
Möglichkeit, dass sich der Bello mit Wurstsemmeln vollstopfen würde, während ich
auf eine strenge ein G´spritzter pro Abend Diät gesetzt würde. Ich schnappte mir
das Geldbörsel meiner Frau und sagte zum Bello: Überlass das Denken den
Hochland-Pferden. Jetzt gehen wir zum Lichtenwallner und feiern ordentlich den
Brutus Sieg.
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