"Electric Brainy Beauties" in Indonesien
07.06.2007 - Wahrscheinlich hätte der Titel in der zitierten Weise so nicht gereicht, erst in der vollständigen Version "Electric Woman Stars Brainy Beauties" wird klar, worum es geht: Ein Frauenschachturnier in Indonesien. Während sich die Elemente "Woman Stars" und "Brainy Beauties" praktisch von selbst erklären, wird die Verwendung des Wortes "Electric" erst bei Kenntnis des Sponsors plausibel. Einige indonesische Stars des Frauenschachs trafen in Jakarta auf europäische Großmeisterinnen, die sich dort trotz heftigen Jetlags gut im Schach und auch bei der anschließenden künstlerisch anspruchsvollen Schlussfeier gut schlugen. Erst ganz zum Schluss gingen einige baden (Bild: Natalia Zdebskaja). WGM Anastasiya Karlovich berichtet aus Jakarta.
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"Electric Brainy Beauties..."
Von Anastasiya Karlovich
Als man mich fragte, ob ich zu einem
Frauengroßmeisterturnier nach Jakarta in Indonesien fahren möchte, musste ich
nicht lange nachdenken! Dieses berühmte Touristenmekka liegt auf der Höhe des
Äquators, der größte Teil davon auf der Südhalbkugel zwischen dem Pazifik und
dem Indischen Ozean.
Die Landesdaten sind eindrucksvoll: Indonesien besteht aus mehr als 10.000
Inseln und die größten sind: Sumatra, Kalimantan (Borneo), Sulawesi (Celebes),
Irian (Papua) und Java. Die Einwohnerzahl beträgt 240 Millionen (80% Muslime,
10% Christen, 3% Buddhisten, 3% Hindus und 2% andere Religionen). Und mehr als
zwei Millionen spielen Schach!
Nach einem 13-Stunden-Flug von Amsterdam aus erreichten wir Jakarta, eine der
größten Städte der Welt. 12 Millionen Menschen wohnen hier, aber zwischen 7
Uhr morgens und 7 Uhr abends wächst die Metropole noch einmal um 5 (!)
Millionen Menschen, nämlich um die Pendler, die täglich zur Arbeit in die
Stadt kommen. Da ich zuvor auch noch nie in England war, hat mich vor allem
der Linksverkehr beeindruckt und anfangs konnte ich gar nicht erkennen, ob
überhaupt Fahrer in den Autos sitzen!

Ein typischer Anblick: Kleinere Gebäude, die sich in der Nähe von
Wolkenkratzern durchaus wohl fühlen
Vor meiner Ankunft in Indonesien hatte ich
schon viel von der großzügigen Gastfreundschaft der Indonesier gehört, aber
wie sehr sich die Organisatoren um jedes kleine Detail gekümmert haben, damit
wir uns zu Hause fühlen, überstieg meine Vorstellungskraft bei weitem.

Das Kartika Chandra Hotel (****), der Ort, wo wir gewohnt,
den Pool genossen und mit Ausnahme der ersten Runde auch alle Partien gespielt
haben.

Regina Pokorna (die bekannte Großmeisterin aus der Slowakei) kam bereits zwei
Tage vor Beginn des Turniers an und nahm zusammen mit Irene Kharisma S.,
Lindiawati Ewi und den Organisatoren an der Auftaktpressekonferenz teil.
Organisiert haben das Turnier Mr. Eddie
Widiono, Vorsitzender von National Electric of Indonesia und Präsident des
Indonesischen Schachverbands, GM Utut Adianto, der Vorsitzende des
Organisationskomitees, der Sponsor Eka Putra Wirya sowie der Generalsekretär
des Indonesischen Schachverbands und viele weitere Leute.

Die erste Runde beginnt im Hauptgebäude
der National Electric. Nicht zufällig hatte man das Turnier auf den Namen
"Electric Woman Stars Brainy Beauties" getauft!

Das Turnier war zugleich Teil der
Geburtstagsfeierlichkeiten für den Präsidenten des Indonesischen
Schachverbands. So gab es nach der ersten Runde ein schönes Konzert und ein
leckeres Abendessen.


Nach der ersten Runde zogen wir um und
spielten alle restlichen Partien in einem Saal im Hotel.

Die Zuschauer konnten die Partien auf dem
großen Brett im Spiellokal verfolgen …

…oder auch auf speziell dafür
aufgestellten Bildschirmen.
Wir Europäerinnen hatten allerdings ein
Problem: Die Zeitverschiebung. Für Natasha Zdebskaja und mich betrug der
Zeitunterschied vier Stunden, für Jana Krivec und Regina Pokorna waren es
fünf. Während des Turniers waren drei Doppelrunden zu absolvieren und
Spielbeginn war dann morgens 9 Uhr. Für uns war das so, als ob wir zwischen 4
und 5 Uhr morgens ans Brett mussten!
Jana Krivec musste einmal sogar per Telefonanruf zehn Minuten vor der Partie
geweckt werden. Natalia Zdebskaja vergaß in einer Partie einen simplen
Eröffnungszug, den sie schon in zahllosen Partien gespielt hatte. Ich hatte
ebenfalls Schwierigkeiten mit der Zeitumstellung und schlief manchmal nicht
mehr als 3 bis 4 Stunden.

Dieses lustige Bild wurde von Sebasttian
Simanjuntak aufgenommen. Die beiden Damen trinken ihren Kaffee simultan

Irene Kharisma Sukandar, WIM und
15-jähriger Schachstar, verfügt über große Erfahrung und ein stabiles
Nervenkostüm! Sie ist Indonesische Meisterin, Mitglied der
Frauennationalmannschaft und gewann die Asiatischen Jugendmeisterschaften. In
ihrer Heimat ist sie sehr bekannt. Wenn sie die Schule hinter sich hat, möchte
sie Politikwissenschaften studieren und vielleicht wird sie eines Tages eine
berühmte Politikerin.

Ewi Lindiawati ist ebenfalls Mitglied der
Nationalmannschaft und war 2002 Indonesische Meisterin.
Wie die Organisatoren feststellten, ist
Frauenschach mittlerweile im ganzen Land verbreitet und unser königliches
Spiel wird von vielen Jugendlichen gespielt. Und mit Eddie Widiono an der
Spitze des indonesischen Elektrizitätsunternemens PLN,
macht auch das Frauenschach rasante Fortschritte, wobei
die Organisatoren diesen Trend weiter fördern möchten, um es auf ein noch sehr
viel höheres Niveau zu heben.
Wie jedes Turnier war auch dieses
Frauenturnier sehr anstrengend und ich bin sicher, die Zuschauer haben die
Adrenalinstöße gespürt! Regina begann mit 3 Siegen, verlor dann aber gegen
Jana Krivec, wonach drei Spielerinnen die Tabelle anführten: Jana, Regina und
Irene.
Jana und Irene wollten auf 7 Punkte und eine Frauengroßmeisternorm kommen. In
der 8. Runde überspielte Jana Krivec Irene Kharisma, aber in der 9. Runde
verlor sie gegen Natalia Zdebskaja, was sie zugleich die Chance auf ihre
letzte Norm kostete.

Jana Krivec ist in Indonesien ein
gefeierter Star. Dies war bereits ihr drittes Turnier im Land, alle
indonesischen Schachspieler kannten und unterstützten sie. Sie spielt sehr gut
und jeder ist überzeugt, dass ihre letzte Norm nur eine Frage der Zeit ist.

Mehr als 30 Zeitungen und 7
Fernsehstationen berichteten über das Turnier und brachten Schach in die
Schlagzeilen der Sportnachrichten. Ich kämpfe mit Irene um den dritten Platz
und die Medien verfolgen jeden Zug. Um Dritte zu werden, hätte ich gewinnen
müssen, aber Irene verteidigte sich geschickt und nach vier Stunden Spielzeit
kam es zur Zugwiederholung, weshalb wir uns schließlich auf Remis einigten.

Alles, was man in Indonesien so zum Leben braucht...
Während des Ruhetags besuchten wir einen großen Souvenirladen, in dem es
Souvenirs und Trommeln in allen Formen und Größen gab!

Später verfolgten die Damen interessiert,
wie der leckere indonesische Kaffee zubereitet wird.

Gruppenbild mit Herren
Die Veranstalter machten uns auch die
Freude eines schönen Ausflugs zum großen Aquarium…

…wo wir große Argusfische sehen
konnten,

.... eine Schildkrötenfamilie, die jeder
anfassen durfte …

...Krokodile, die man besser nicht
streichelt...

… und sogar Haie.

Karaokechor
Bei der Abschlussfeier beschlossen die
Organisatoren schließlich herauszufinden, wie es um unsere Gesangsqualitäten
bestellt war! Nach dem kleinen Anfangsschock gaben wir “Hotel California” von
den Eagles zum Besten. In Indonesien ist es Tradition, auf Feiern wie diesen
zu singen und zu tanzen!

Also haben uns auch an den indonesischen Tänzen versucht.

Nach Schach, Gesang und Tanz hatten sich
die Teilnehmerinnen ihre Preise redlich verdient und durften die Schecks in
Empfang nehmen.

Zum Schluss überreichte der Präsident des
indonesischen Schachverbands der Turniersiegerin Regina Pokorna den
Siegerpokal. Am nächsten Tag war dann vor der Rückreise nach Hause noch etwas
Zeit, etwas zu entspannen:

Natalia Zdebskaja
Also statteten wir dem Swimming Pool eine
intensive Inspektion ab ...

….und versuchten herausfinden, was es denn
nun genau mit dem Tropenklima Indonesiens auf sich hat.
Über die Autorin

Anastasiya Karlovich |
Examensanwärterin an der
Nationalen Juristischen Hochschule “Jaroslaw der Weise”, Mitglied des
Schachklubs der “Juristischen Hochschule”, Mitglied des deutschen
Schachvereins Grosslehna,
sowie eine der Organisatorinnen des „Direktorenpokals“, Rundenturnieren
für WGM und GM.
Ukrainische Meisterin und
Vizemeisterin der 16-18-20w. Mannschaftseuropameisterin mit der Ukraine
bei den Europäischen Jugendmannschaftsmeisterschaften. Seit 2003
Frauengroßmeisterin.
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Presse und Links:
Antara News...
Jakarta Post...
Turnierseite...
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