Der L Ö W E aus St
Petersburg
Text: Guido Neubauer
Fotos: Thomas Grünholz

Hat Spaß am Schach: Viktor Kortschnoj



Kay-Uwe Rose vom Casino Berlin und Viktor Kortschnoj

Am 9.November 2001,
ein dutzend Jahre nach dem Fall der Mauer, der nicht nur das Schachleben
verändert hat, trat Viktor Kortchnoi gegen Prominente Gegner an. Zu seinen
stärksten Widersachern gehörten Matthias Deutschmann (bekannt als die innere
Stimme von Fritz), Prof. Freise (Anand Bezwinger), Dr. Ulrich Sieg (Sieger
Deutscher Nachwuchshistoriker-Preis), Klaus Möckel (bekanntester Krimibuch-Autor
aus den neunen Bundesländern), Atila Figura (der gerade von der
Jugendweltmeisterschaft zurückkehrte) Dr. Augustat (Lasker-Gesellschaft) sowie
der spielstarke Fernschachspieler und Schachverlagbesitzer (Lasker) Arno Nickel.

Teilnehmer mit der höchsten Kabarett- Elo: Matthias Deutschmann

Deutschmann, Freise

In Reihe

Mutig den Blick auf den Meister gerichtet: Deutschmann (re.)

Schwierige Entscheidung?







Die 25 Gegner des 70. jährigen Jubilars, von denen nicht wenige
Bundesligaerfahrung mitbrachten, ermöglichten spannende und kämpferische
Partien. Bestimmt haben auch Sie beim Nachspielen Ihre Freude daran. Mit einer
Spielzeit von etwas mehr als vier Stunden konnte GM Viktor Kortchnoi allen
Erwartungen gerecht werden und übertraf sie gar noch.



Bedenkt man welches Pensum Kortchnoi in den letzten Wochen hinter sich gebracht
hat (Den Gewinn eines GM - Turniers plus etliche Veranstaltungen), dann kann man
seinen Willen immer das beste aus den Partien hervorzuholen nicht hoch genug
einschätzen. Kortchnoi fuhr kein Schonprogramm, weder mit sich noch mit seinen
Gegnern. Wer ein Remis erkämpft hat oder gar gegen den GM gewinnt der kann
auf seine Leistung stolz sein. Viktor Kortchnoi gewann 24 Partien und musste
sich nur Herrn Möckel geschlagen geben. In einer eröffnungstheoretisch
interessanten Partie setzte Kortchnoi auf Angriff. Mit einem schönen
Verstellungszug konnte der Krimi-Autor diesen beenden, worauf Kortchnoi sofort
die Leistung des Gegners anerkannte.

Am 10. Nov gab es für jeden die Möglichkeit anzutreten. Obwohl hier spielstarke
Vereinsspieler antraten und man nicht erwarten konnte, dass Kortchnoi eine
solche Leistung wie am Vortage erbringen würde, gab der Kämpfer unter den
Schachspielern noch einmal sein Bestes.





Zugzwang und
Verlustreklamation

Kortschnoj, Freise, skeptisch Deutschmann
Prof. Freise, gegen
den Viktor Kortchnoi ein schlagendes Konzept entwickelt hat : "Herr Professor,
gegen Sie muss ich nur die Damen tauschen," ließ es sich nicht nehmen, eine
Revanche zu fordern. Als 26. Teilnehmer setzte er sich noch einmal ans Brett -
schon in dem Wissen, dass nach 4 Stunden sein Zug fährt. Gebucht und in
Begleitung seiner Mutter, die Bekannte in Berlin besuchte, gab es keine
Möglichkeit dem Zugzwang zu entkommen.
Nach einem spannungsgeladenen Mittelspiel setzte Kortchnoi nicht auf ein etwas
besseres Turmendspiel sondern opferte Qualität für zwei Bauern. Jetzt konnte
jedoch Freise seinen Erfindungsreichtum und seine Endspieltechnik in die
Waagschale werfen. Als die Zeitgrenze erreicht war, bot Prof Freise remis -
Kortchnoi der vor so einfachen Zügen wie einem Intercity keine Angst kennt,
drehte unbeirrt seine Runden.
Als er eine Umdrehung später bemerkte, dass sein Lieblings-Simultan-Professor
verschwunden war , bestand er auf 0:1 (die Turnierleitung wollte die Partie
zuerst 1:0 werten - wer nicht mehr da ist kann nicht gewinnen- lies sich dann
aber zu einem 0.5 : 0.5 erweichen)
Originalton Kortchnoi :"Herr Professor steht auf Gewinn. Schade! Ich hatte noch
einige Fallen." Turnierleitung: "Also remis ! " Kortchnoi: " Nein, er steht auf
Gewinn."
Der Veranstalter dieser Tage, das Casino - Berlin: (www.Casino-Berlin.de) kann jedem nur empfehlen Herrn GM Viktor Kortchnoi zu verpflichten.
Unterstützt von seiner Frau Petra Kortchnoi ließ der Jubilar keine Wünsche offen
und machte diese Tage für alle Beteiligten zu einem besonderen Erlebnis.
Mit 23 Gewinnpartien und 2 mal unentschieden aus 26 Partien hoffen wir allen
Nachspielenden Mut gemacht zu haben, sich selbst einmal an einem Simultan zu
versuchen.
Der besondere Dank des Casino -Berlin geht an Frau Petra Kortchnoi! Ebenso an
die Lasker - Gesellschaft, die das Schachliche einbrachte.

Ehepaar Kortschnoj

v.l.: Kay-Uwe Rose, Matthias Deutschmann,
Viktor und Petra Kortschnoj, Lothar Schmidt
Unsere besten Wünsche begleiten Herrn Kortchnoi, der auf dem Weg nach Moskau ist
und 12 Jahre nach Perestroika und Mauerfall im Kreml spielen wird !
Guido
Neuberger/15.11.2001