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Interview with Dr. Emanuel Lasker

(German Version)

Time: Viele kennen Sie als Schachweltmeister, nicht alle wissen jedoch, wie Sie mit dem Schach begannen und wie Sie Weltmeister wurden. Vielleicht können Sie dies zunächst kurz skizzieren.

Dr. Lasker: Als ich 11 Jahre alt war, schickten meine Eltern mich nach Berlin aufs Gymnasium. Ich wohnte dort bei meinem älteren Bruder Berthold, der dort Medizin studierte. Dort zeigte er mir das Schachspiel, das mich gleich faszinierte. Leider litt unter dieser Begeisterung meine schulischen Leistungen. Später schickten meine Eltern mich nach Landsberg, damit ich dort das Abitur machte. Das war 1897. Zwei Jahre darauf kehrte ich nach Berlin zurück und begann ein Mathematik-Studium, dass ich schließlich in Göttingen bei Prof. Hilbert fortsetzte. 1889 gewann ich auch schon das Schachturnier in Breslau. 1890 gewann ich mit Berthold ein Turnier in Berlin. Im gleichen Jahr schlug ich Bird in Liverpool und entschloss mich dazu, Profischachspieler zu werden. Dazu lebte ich erst in London, wo ich Anfang der Neunziger den London Chess Fortnightly herausgab. 1893 folgte ich Weltmeister Steinitz nach New York und hatte 1894 das Geld für einen WM-Kampf zusammen. Berthold hatte mich für verrückt erklärt, aber wie sie wissen, siegte ich überlegen, wurde Weltmeister und blieb es 27 Jahre.

Time: Ihre Erfolge werden auch einer psychologischen Herangehensweise der Partien zugeschrieben. Was sagen Sie dazu.

 Dr. Lasker: Nun, das ist Blödsinn. Der Reti quatscht immer davon. Weil er nicht versteht, wieso er schon wieder verloren hat, bringt er die Psychologie ins Spiel. Ein Besuch beim Herrn Freud wird ihm vielleicht weiter helfen.

Time:  Es ist nun drei Jahre her, dass sie den Weltmeistertitel an den Kubaner Capablanca verloren haben, wie sehen Sie das heute mit einem gewissen zeitlichen Abstand?

Dr. Lasker: Ich hatte ihm meinen Titel ja schon im Jahr zuvor zur Verfügung gestellt. Aber er wollte ja unbedingt einen Wettkampf spielen und hatte später die notwendige Summe zur Verfügung, mich zu überzeugen. Capablanca ist ein großartiger Spieler, der mir im Talent kaum nachsteht. Aber die Bedingungen des Wettkampfes waren alles andere als fair. Während ihm die große Hitze in Havanna gar nichts ausmachte, war sie für mich sehr ungewohnt. So spielte ich weit unter meinen Möglichkeiten, während er einfach sein normales Schach spielte. Natürlich nutzte er jeden meiner Fehler aus. Als ich sah, dass der Kampf unter diesen Umständen sinnlos war, gab ich auf. 

Time Der Triumph hier beim New York International muss sehr befriedigend für sie sein...?

Dr. Lasker: Ja, man sieht, dass ich bei normalen Spielbedingungen dem Weltmeister immer noch ebenbürtig, eigentlich überlegen bin.  Und dies, obwohl sowohl die Einladung, als auch das Turnier selbst für mich mit sehr ungünstigen Begleitumständen verbunden war.

Time: Was meinen Sie damit?

Dr. Lasker: Es scheint, das man mich unter Vorspiegelung bescheidener finanzieller Möglichkeiten unter meinem Wert nach New York, während Herr Capablanca in den Genuss eines Antrittshonorars gekommen zu sein scheint. Außerdem gab es einen Zwischenfall in meiner Partie gegen Capablanca, als plötzlich nach meinem Zug nicht nur seine Uhr lief, sondern auch meine. Ich verlor auf diese Weise 15 Minuten meiner Zeit. Entweder war die Uhr defekt oder manipuliert. Dennoch gewann ich das Turnier, aber ich werde nicht mehr an einem Turnier teilnehmen, das von Herrn Lederer organisiert wird.

Time: Ist ihr Streit mit Herrn Lederer der Grund, dass nicht Sie als Sieger, sondern Herr Aljechin den Auftrag zum Turnierbuch bekam?

Dr. Lasker: Dies war wohl schon vor Turnierbeginn ausgemacht. Aber ich hätte auch jede Mitarbeit abgelehnt. Stattdessen habe ich mit Hilfe von Mr. Edward Lasker ein ganz anderes, ein sehr revolutionäres Verfahren zur Überlieferung an die Nachwelt realisieren können.

Time: Was darf die Schachwelt erwarten?

Dr. Lasker: Mr. Edward Lasker war zu Beginn seiner Berufslaufbahn bei der Berliner Firma AEG, die wiederum mit der innovativen Firma Telefunken verbunden ist. Mr. Edward Lasker konnte einen Kontakt mit Forschern von Telefunken vermitteln. Sie machen Experimente mit Tonkino und ich durfte an solchen Experimenten teilhaben, in denen ich Ausführungen zu meinen New Yorker Partien machte. Wir haben die Aufnahmen hier in New York gleich im Anschluss an das Turnier gemacht. Herr Aljechin hat spaßeshalber auch an einer der Aufnahmen mitgewirkt, außerdem zwei Spieler aus dem B-Turnier. Ich bin sicher, dieser Technik gehört die Zukunft.
 

Time: Tonfilm? Aber so etwas gibt es doch noch gar nicht?


Dr. Lasker: Eben. Es war ein Experiment. Die Aufnahmen sind zur Zeit in Berlin, aber ich hoffe, ich werde bald eine Kopie bekommen. Falls es geglückt ist, denke ich daran, ins Schachkinogeschäft einzusteigen. Man könnte Schachlektionen produzieren und in Tonfilmkinos vorführen. Ich hatte bereits fruchtbare  Gespräche mit den Herren Gelbfish und Mayer. Besonders mit Schmuel habe ich mit prächtig verstanden. Er spielt auch ein wenig Schach.

Time: Und wenn nicht? Was sind dann ihre Pläne?

Dr. Lasker: Seit einiger Zeit interessiere ich mich - wie Edward auch - für das Go-Spiel. In Berlin habe ich Dr. Felix Dueball kennen gelernt. Wir haben ein paar Partien gespielt. Er will nach Japan, um seine Studien des Go-Spiels zu vertiefen. Auch Edward wollte früher aus diesem Grund nach Japan reisen, um es zur Go-Meisterschaft zu bringen. Oder ich spiele Bridge, was ich ebenfalls vortrefflich beherrsche.

 

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